Das Streben im Leben

3. August 2016 | 13 Kommentare

Ich schätze ich bin einer von wenigen Menschen, der behaupten kann, noch eine Uroma zu haben. Die "Urli" ist jetzt bald 94 Jahre alt - unglaublich eigentlich, welches Alter ein Mensch erreichen kann! Natürlich fahren die Körperfunktionen im Alter sehr zurück, und auch sie ist aufgrund von Beinproblemen leider nicht mehr sehr mobil. Ich besuche sie wann immer sich die Gelegenheit ergibt und rede eine Weile mit ihr, weil es unglaublich traurig ist, dass sie jetzt nicht mal mehr in ihrem Gartenhaus bei den Vögelchen sitzen kann. Aber immer, wenn ich sie besuche, meint sie:
Aber Sandra ich sag dir, ich bin zufrieden, und das ist eigentlich alles was man sich wünschen kann.
Trotzdem sind viele, auch (besonders?) junge Leute oft unzufrieden mit ihrem Leben. Denn wer nach einem "ABER" sucht, der wird auch immer eins finden. Man hat ja auch immer diese vermeintlich "perfekten" Leben und Körper bei Instagram und Youtube vor Augen. Und man selbst hat ein Speckröllchen zu viel, dafür ein paar Euro zu wenig, zu viel Druck auf zu wenig Zeit und der Berufswunsch steht trotz beharrlichen Nachfragen von Verwandten und Bekannten immer noch in den Sternen.

Jungen Leuten steht heutzutage so eine Vielfalt von Möglichkeiten offen, dass einem die Wahl oft nicht leichter, sondern schwerer fällt. Viele sind mit Erwartungen (auch an sich selbst) konfrontiert und selbst möchte man am Ende des Weges dann auch mit einem perfekten Instagram-Leben dastehen, bitte. Manchmal sollte man im hektischen Alltag, wo alles organisiert, durchgeplant und betitelt sein muss, einfach durchatmen und auch mal nichts tun. Internet eine Weile Internet sein und auch die Pokémons noch ein bisschen ungefangen lassen. Stattdessen vielleicht ein Besuch bei Oma, ein nettes Wort zum Nachbarn oder genüsslich mit Freunden essen gehen. Und kurz wertschätzen, dass es uns in unseren deutschsprachigen Ländern wirklich sehr gut geht.

Und vielleicht merkt man dabei trotz des Jammerns, Raunzens und Grübelns dank oberflächlicher Unzufriedenheit im Alltag, dass man im Großen und Ganzen doch recht zufrieden ist. Und das ist eigentlich alles, was man sich wünschen kann :)

P.S.: Und wenn trotz allem positiven Denkens wieder mal einfach alles scheiße scheint, denk dran: Vom Mond aus betrachtet spielt das alles eh keine so große Rolle!


13 Kommentare

  1. Oha, danke für diese Worte! Sie haben mich einfach zum Nachdenken angeregt und ich werde meine restlichen Ferien nun bestimmt etwas anders verbringen. Die tägliche To-Do-Liste, was ich noch alles in den Ferien machen muss, wird erst mal verschwinden, denn ich möchte die Ferien ganz auskosten :)

    Liebste Grüße, Miri von www.blogvonmiri.blogspot.de

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    1. Dankeschön! Ja, ich werde meine restlichen Ferien auch nicht zu streng durchgeplant verbringen ;) Dafür ist unter der Schule noch genug Zeit.

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  2. Amen.
    Ich zum Beispiel bin auch sehr zufrieden, auch wenn mich einiges stört, an dem ich aber arbeite. Toi toi toi, denn beschweren kann ich mich nicht! toi toi toi

    Deine Uroma kannst du übrigens einmal ganz herzlich von mir grüßen - Life Goals!

    xx Ana // www.disasterdiary.de

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    1. Oh, ein Kommentar von Ana :D! Ja klar, man findet ja immer Sachen die nicht ganz passen oder die besser sein könnten. Aber davon sollte man sich nicht runterziehen lassen, sondern wenn mans ändern möchte, aktiv daran arbeiten.

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  3. Das hast du wirklich schön gesagt. Ich habe meine Uroma leider nicht mehr kennenlernen können, aber von meiner Oma weiß ich, dass sie eine humorvolle Frau war. Ich habe sogar ein Buch, welches Sie meinem Uropa zu Weihnachten geschenkt hat, mit der Widmung: "Gewidmet von deiner lieben Martha, Weihnachten, 1938". Wenn ich Fotos von ihr sehe, bzw. allgemein aus dieser Zeit, so kommt es mir vor, als wäre deren Leben viel entspannter, als unser heutiges. Heute muss alles schnell gehen, am besten es wäre vorgestern schon erledigt und die Ansprüche werden immer höher gestellt. Kein Wunder, dass der eine oder andere ab einem bestimmten Punkt einfach nicht mehr kann. Ich selber sitze dann und wann in meinem Sessel, lausche dem Ticken meiner alten Kaminuhr und dem Zwitschern der Vögel vor dem Fenster und lasse die Seele baumeln. Oder ich treffe mich mit Freunden und verbringe einen tollen Tag, ohne alle 15 Minuten ein Foto für Instagram zu machen. Einfach den Moment genießen und sich später an diese Zeit erinnern und sich wohlfühlen. Das ist doch das wichtigste: Eine schöne Zeit haben und glücklich sein.

    Liebe Grüße,
    Nico // Nicos Bücherwelt

    P.S. Grüße deine Uroma von mir, 94 Jahre ist wirklich ein stolzes Alter, ich würde gerne so alt werden wollen. ;)

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    1. Dankeschön, das werde ich machen! ;) Meine Urli hat mir auch ein selbstgeschriebenes Buch mit Geschichten und Daten von unserer Familie geschenkt.
      Und ja, ich glaube auch, dass das alltägliche Leben früher irgendwie entspannter war ... durch die ständige Erreichbarkeit verwischen auch oft Berufliches und Privates, sodass viele wahrscheinlich gar nicht mehr abschalten können.

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  4. Weil Selbstkontrolle ein Fremdwort für mich ist, habe ich heute trotzdem fast den ganzen Tag lang auf leuchtende Rechtecke gestarrt. Ha. Ich arbeite daran. Morgen.

    Ich glaube an die Theorie, dass uns viele Medien darauf konditionieren, unzufrieden zu sein, damit wir Dinge kaufen, die uns temporär „glücklich“ machen. Irgendwann habe ich aber auch gelernt zufrieden zu sein. (Kitschig, urgh.)

    Ein unheimlich schöner und nachdenklicher Text, Sandy :)

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    1. Mein Herz geht auch bei einem Kommentar von Claudi! Danke für deine lieben Worte!

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  5. Im Grunde geht es doch nur darum glücklich zu sein und das wird man nicht mit materiellen Dingen- okay, vielleicht ein wenig mit Büchern ;).

    Deine Ur-Omi hat ja so recht. ♥

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  6. Des Raunzens hahaha wie das klingt :D Recht hast du und ich finde es wirklich schlimm, wie viele sich besonders von Instagram beeinflussen lassen. Gerade was diesen "Körperwahn" angeht! Zum Glück geht es mir da nicht so und ich bin wahnsinnig zufrieden mit meinem Leben. Ich finde auch immer, dass man dafür zum Großteil selbst verantwortlich ist und was man daraus macht. Auf der Couch liegen und sich selbst bemitleiden bringt einen nicht weiter.
    Das einzige was mich sehr stört in letzter Zeit ist das Reisen ... das bei mir nämlich gar nicht vorhanden ist. Und dann wird man bei Instagram von tausenden Bildern vom Empire State Building oder goldenen Sandstränden bombadiert, wer ist da nicht neidisch? Deswegen versuche ich eben mit meinen begrenzten Möglichkeiten so viel wie möglich zu sehen :D

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    1. Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod :D Ja, ich finde auch dass sich viele einfach gern bemitleiden und selbst aber nichts dran ändern... dann müsste man ja etwas TUN und kann sich nicht nur beschweren.

      Aber so, wie es dir mit dem Reisen geht, geht es anderen ja vielleicht mit ihrem Körper ;) Aber das ist ja das Wichtigste, das man das Beste aus dem macht, was man hat! Zum Glück bin ich nicht so der Reise-Mensch :D

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  7. Deine Worte sind wirklich so wahr! So oft verliert man sich in oberflächlichen oder unnötigen Gedanken, die es eigentlich gar nicht wert sind, dass man sie so nah an sich heranlässt. Vor allem der durch die Medien vermittelte Eindruck spielt eine große Rolle dabei. Wir müssen uns einfach alle einmal zurücklehnen, in Ruhe alles betrachten und dann erkennen, dass wir es so gut haben und dankbar für alles sein sollten! Das alles hast du wirklich gut beschrieben, sehe das auch so!

    LG

    Make Your Change

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    1. Das hast du gut zusammengefasst, ist auch meine Meinung :)

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